Wenn Sie eine PV-Anlage, einen Batteriespeicher oder ein BHKW betreiben, haben Sie vielleicht schon von "Fernwirktechnik" gehört. Doch was genau verbirgt sich dahinter? Einfach gesagt: Fernwirktechnik ist die Sprache, mit der Ihre Anlage mit dem Netzbetreiber kommuniziert – damit das Stromnetz stabil bleibt, auch wenn Millionen dezentraler Anlagen einspeisen.
Was ist Fernwirktechnik?
Stellen Sie sich das Stromnetz wie eine Autobahn vor: Der Netzbetreiber ist die Verkehrsleitzentrale, die den Überblick behält. Ihre Erzeugungsanlage ist ein Fahrzeug, das auf diese Autobahn auffährt. Damit kein Stau oder Unfall passiert, muss die Leitzentrale mit Ihrem Fahrzeug kommunizieren können.
Fernwirktechnik nach IEC 60870-5-101/104 ermöglicht genau das:
- Der Netzbetreiber kann Ihre Anlage aus der Ferne überwachen
- Bei Bedarf kann er die Einspeiseleistung reduzieren (Wirkleistungsregelung)
- Im Notfall kann er die Anlage per NOT-AUS komplett abschalten
- Ihre Anlage meldet automatisch wichtige Messwerte zurück
Warum brauche ich Fernwirktechnik?
Die Antwort ist einfach: Weil es Vorschrift ist. Die technischen Anschlussregeln (VDE-AR-N 4110 für Mittelspannung, VDE-AR-N 4105 für Niederspannung) schreiben vor, dass Erzeugungsanlagen vom Netzbetreiber steuerbar sein müssen.
Ab welcher Anlagengröße ist Fernwirktechnik Pflicht?
| Anlagengröße | Netzebene | Fernwirktechnik erforderlich? |
|---|---|---|
| Bis 25 kW | Niederspannung | Meist nicht (vereinfachtes Verfahren) |
| 25 – 100 kW | Niederspannung | Je nach Netzbetreiber (oft RSE) |
| Ab 100 kW | Niederspannung/Mittelspannung | Ja, IEC 101/104 |
| Ab 135 kW (MS) | Mittelspannung | Ja, zwingend IEC 104 |
So funktioniert die Kommunikation
Die Kommunikation zwischen Ihrer Anlage und dem Netzbetreiber läuft nach dem Master-Slave-Prinzip (oder modern: Controller-Responder):
- Der Netzbetreiber (Master/Controller) sendet Befehle und fragt Messwerte ab
- Ihre Anlage (Slave/Responder) führt Befehle aus und liefert Daten
P_Soll = 60% via IEC 104
Register 40001 = 600 (60.0%)
P_Ist = 60% ✓
IEC 101 vs. IEC 104: Was ist der Unterschied?
Die Protokolle IEC 60870-5-101 und IEC 60870-5-104 sind internationale Standards für die Fernwirkkommunikation. Der Unterschied liegt in der Übertragungsart:
| Eigenschaft | IEC 60870-5-101 | IEC 60870-5-104 |
|---|---|---|
| Übertragung | Seriell (RS-485 Kabel) | Netzwerk (TCP/IP) |
| Verbindung | Dedizierte Leitung zum Netzbetreiber | Internet/VPN |
| Geschwindigkeit | Langsamer (bis 19.200 Baud) | Schneller (Ethernet) |
| Installation | Aufwendiger (eigene Leitung) | Einfacher (vorhandenes Internet) |
| Verbreitung | Ältere Anlagen | Heute Standard |
Was kann der Netzbetreiber steuern?
Über die Fernwirktechnik kann der Netzbetreiber drei Hauptfunktionen nutzen:
1. Wirkleistungsregelung (Einspeisemanagement)
Der Netzbetreiber kann die eingespeiste Leistung Ihrer Anlage begrenzen – zum Beispiel auf 60%, 30% oder 0%. Das passiert, wenn zu viel Strom im Netz ist und die Spannung zu stark ansteigt.
2. Blindleistungsregelung
Blindleistung hilft, die Spannung im Netz stabil zu halten. Der Netzbetreiber kann vorgeben, wie viel Blindleistung Ihre Anlage liefern oder aufnehmen soll.
3. NOT-AUS (Schnellabschaltung)
Im Notfall kann der Netzbetreiber Ihre Anlage komplett abschalten. Diese Funktion ist besonders abgesichert und funktioniert auch bei Kommunikationsausfall – dann geht die Anlage automatisch in einen sicheren Zustand.
Typischer Aufbau einer Anlage mit Fernwirktechnik
- PV-Module auf dem Dach
- Wechselrichter (1 oder mehrere)
- Optional: Batteriespeicher
- Optional: BHKW
- Energiezähler am Netzanschluss
- Leistungsmessung (P, Q, S)
- Spannungs- und Frequenzmessung
- Optional: Weitere Unterzähler
- VPN-Router für sichere Verbindung
- IEC 104 zum Netzbetreiber
- Modbus zu Wechselrichtern
- Optional: Webportal-Anbindung
- NOT-AUS Kontakt (potentialfrei)
- Fail-Safe bei Verbindungsausfall
- Verschlüsselte VPN-Verbindung
- Zugriffsschutz mit Authentifizierung
Kompatibel mit über 50 Netzbetreibern
Jeder Netzbetreiber hat leicht unterschiedliche Anforderungen an die Fernwirktechnik. VoltPilot ist bereits mit über 50 deutschen Netzbetreibern erprobt:
N-ERGIE Bayernwerk E.ON Netze EnBW Westnetz Stromnetz Berlin SH Netz EWE Netz Netze BW Mitteldeutsche Netzgesellschaft und viele mehr...
Ist Ihr Netzbetreiber nicht dabei? Kein Problem – wir konfigurieren das System nach den technischen Anschlussbedingungen (TAB) Ihres Netzbetreibers.
So läuft die Einrichtung ab
Die gute Nachricht: Sie müssen sich um fast nichts kümmern. VoltPilot übernimmt die komplette Abstimmung mit Ihrem Netzbetreiber:
- Technische Anschlussbedingungen (TAB) – Sie erhalten diese von Ihrem Netzbetreiber und leiten sie an uns weiter
- Projektierung – Wir planen das System passend zu Ihrer Anlage
- Installation – Das Fernwirkgerät wird vor Ort installiert und verkabelt
- Konfiguration – Wir parametrieren das Gerät nach den Vorgaben des Netzbetreibers
- Kommunikationstest – Gemeinsam mit dem Netzbetreiber wird die Verbindung getestet
- Dokumentation – Sie erhalten alle Unterlagen für Ihre Anlagenakte
Fazit: Fernwirktechnik ist kein Hexenwerk
Fernwirktechnik nach IEC 60870-5-101/104 klingt komplizierter als sie ist. Im Kern geht es darum, dass Ihre Anlage mit dem Netzbetreiber "sprechen" kann – damit das Stromnetz auch mit Millionen dezentraler Erzeugungsanlagen stabil bleibt.
Mit VoltPilot bekommen Sie eine normkonforme Lösung aus einer Hand: Hardware, Software, Konfiguration und Service – alles abgestimmt auf die Anforderungen Ihres Netzbetreibers.
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